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Werkstätten und Werkhaus

Neun ehemalige Kasernengebäude verschiedener Größe und Funktionalität, in einer Dreiecksformation angeordnet, bilden einen weitläufigen und großzügigen Innenhof und Schutzraum für alle Bewohner des Werkhofs.

Zwei dieser im wilhelminischen Baustil errichteten großen Gebäude (Birkenhaus und Lindenhaus) beherbergen heute sowohl den Wohnbereich des Werkhofes als auch Ein-, Zwei- und Dreizimmer Mietwohnungen für Kasseler Bürger.

 

Von den Wohnhäusern aus über die neu geschaffene Grünfläche des Innen- und Gartengeländes hinweg liegt das Werkhaus Schönfeld, das ebenfalls barrierefrei ausgebaut wurde und die Werkstätten des Werkhofes beherbergt: 

Hauswirtschaft und Küche, Wäscherei und Textilpflege, Holz- und Montagewerkstatt, Weberei und Textilwerkstatt, Garten, Haustechnik und Förderbereich der Werkstatt.

Diese sind vertraglich in einem Werkstattverbund mit der Kasseler Werkstatt unbefristet als Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) mit 30 Plätzen organisiert und anerkannt und orientieren sich in ihrem Aufbau und ihrer Organisationsstruktur ganz nach den Vorgaben des SGB IX und der Werkstättenverordnung.

Die Werkstatt- und Dienstleistungsbereiche „Hauswirtschaft und Küche", „Wäscherei und Textilpflege" dienen bislang noch vorwiegend der Selbstversorgung. Hier werden Leistungen nach außerhalb nur in geringem Umfang erbracht.

Die abwechslungsreichen und schmackhaften Mahlzeiten aus der Küche sowie die Dienste der Wäscherei und Textilpflege werden von allen gebraucht und erfahren täglich die Anerkennung und Dankbarkeit aller. Gerade in diesem Bereich konnten im neuen Werkhaus ideale räumliche Voraussetzungen geschaffen werden, damit Menschen mit unterschiedlichstem Hilfebedarf konstruktiv miteinander und füreinander tätig sein können.

 

Der Garten in seiner zentralen Innenhoflage dient als Erholungsraum für die hier lebenden Menschen und wird auch als Nutzgarten zum Anbau von frischen Kräutern, Blumen und Teekräutern biologisch-dynamisch bewirtschaftet.

Die im Jahreszeitenrhythmus variierenden Arbeiten bieten differenzierte Anforderungen und Erfahrungen, so dass auch in diesem Werkstattbereich Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten und individuellem Unterstützungsbedarf einen ihnen gemäßen Arbeitsplatz finden.

Durch den angestrebten Bau eines Gewächshauses soll die Produktpalette des Gartens und gleichzeitig das Angebot an gärtnerischen Tätigkeiten erweitert werden.

 

Im Bereich der Holz- und Montagewerkstatt sind es selbstgestaltete, kunsthandwerkliche Produkte, die unter Berücksichtigung öko-biologischer Aspekte mit hochwertigen Materialien gefertigt werden sowie Auftragsarbeiten und Eigenproduktionen in Kleinserien, Einzelanfertigungen oder auch Reparaturen - intern wie extern. Darüber hinaus können hier im Bereich der Montage und Verpackung auch verschiedenste Industrieaufträge durchgeführt werden.

Die flexible Nutzung der großzügigen Räumlichkeiten erlaubt ein breites Spektrum an Tätigkeitsfeldern. Ein projektbezogenes Lernen und Arbeiten erweitert hier die berufsbildenden Maßnahmen.

 

Im Bereich der Weberei und Textilwerkstatt sind es vor allem Eigenprodukte in Kleinserien und einzelne Auftragsarbeiten, bei der die Arbeit am Webstuhl eine zentrale Rolle spielt. Was sich durch das Weben an allgemeinen Arbeitsfertigkeiten wie Geschicklichkeit oder Übersicht in der Tätigkeit als „Forderung" stellt, hat sich seit Jahren für viele der Beschäftigten als ein besonderes Element der „Förderung" erwiesen. 

Auch in diesem Bereich können die Räumlichkeiten sehr flexibel für erweiternde Tätigkeiten wie Färbe-, Papier- und Verpackungsarbeiten genutzt werden, da auch das relativ ruhige und stille Handwerk des Webens mancher individuellen Bedürfnislage entgegenkommt

 

Wer in diesen Arbeitsbereichen aufgrund entsprechender Einschränkungen, pflegerischer Aufwendungen oder der Schwere seiner Behinderung nicht in einen Arbeitsprozess integriert werden kann, findet ebenso im Werkhaus, aber nun im Förderbereich der Werkstatt, seine Heimat und auch Teilhabe am Arbeitsleben. Ohne Produktionsdruck, mit der entsprechend notwendigen und auch möglichen Betreuung, Pflege und Begleitung, werden die Menschen hier durch eine erfahrene ergotherapeutische Fachkraft angeleitet. Ziel ist es, vor allem Lebensqualität und Lebensfreude erfahrbar werden zu lassen und eine den individuellen Einschränkungen entsprechend größtmögliche Selbstständigkeit zu ermöglichen.

Es werden hier gezielt einfache Tätigkeiten und Arbeitsschritte, wie sie z.B. beim „Filzen" oder „Schleifen" entstehen, zum Erüben motorischer und sensomotorischer Fähigkeiten eingesetzt, so dass nicht nur Beschäftigung praktiziert wird, sondern neben der individuellen Förderung auch wertzuschätzende Produkte für andere Menschen erzeugt werden, so dass das Selbstwerterleben auch der hier tätigen Menschen gestärkt wird. Wie in allen anderen Bereichen  erfolgt auch hier eine regelmäßige Freistellung zur Nutzung von Therapien, begleitenden Maßnahmen und fachbezogenem Unterricht.